DAAD-Generalsekretär Dr. Kai Sicks spricht beim Empfang des deutschen Botschafters in Paris in dessen Residenz Hôtel Beauharnais.

DAAD-Generalsekretär Dr. Kai Sicks begleitete eine Delegation aus 19 (Vize-)Präsidentinnen und Präsidenten sowie Kanzlerinnen und Kanzlern deutscher Universitäten auf einer hochschulpolitischen Informationsreise nach Frankreich. Auf dem Programm stand der Besuch von Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Nachbarland. Dabei gab es viele Gelegenheiten zum Austausch und Impulse für neue Kooperationen. Im Gespräch mit DAAD Aktuell zieht Sicks eine positive Bilanz.

Was waren Inhalte und Ziele der aktuellen hochschulpolitischen Informationsreise für Universitätsleitungen nach Frankreich?
Die hochschulpolitischen Informationsreisen des DAAD haben zwei Ziele. Wir wollen Universitätsleitungen einen Überblick über das Hochschul- und Forschungssystem in einem anderen Land geben. In Frankreich zum Beispiel gibt es trotz großer regionaler und kultureller Nähe zu Deutschland durchaus Unterschiede. So ist das Hochschulsystem von einem Dualismus geprägt: einerseits die allgemein zugänglichen Universitäten, andererseits die spezialisierten grandes écoles. Die Zugangsvoraussetzungen sind bei Letzteren sehr hoch, es geht um die Ausbildung von Führungskräften in dem entsprechenden Fachbereich. Auch die Organisation der Forschung kann sich von der in Deutschland unterscheiden. Zum Beispiel sind die unités mixtes de recherche an den Hochschulen angesiedelt, werden aber von außeruniversitären Forschungsinstitutionen mitgetragen. Durch den Besuch verschiedener Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie den Austausch vor Ort bekamen die Teilnehmenden der Reise einen sehr guten Überblick über Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Natürlich gibt es dabei auch ausreichend Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen oder zu vertiefen und neue Kooperationen anzuschieben. Dieser Austausch ist das zweite erklärte Ziel unserer hochschulpolitischen Informationsreisen.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz dieser Reise aus?
Alle Universitäten der mitreisenden Vertreterinnen und Vertreter pflegen bereits enge Beziehungen und zahlreiche Kooperationen mit französischen Partnerhochschulen, sei es innerhalb bilateraler Partnerschaften oder Europäischer Hochschulallianzen. Diese Nähe und Verbundenheit lassen Gemeinsamkeiten in den Vordergrund rücken. Trotzdem lohnt immer der Blick über die Kooperationen hinaus, vielleicht auch auf die Unterschiede und neue Entwicklungen. Deshalb wollten wir auf unserer Reise möglichst viele unterschiedliche Einrichtungen des Hochschul- und Wissenschaftssystems besuchen. Unsere Delegation hat die Hochschulstandorte Paris, Lyon und Marseille besucht. Es fanden Gespräche an der Sorbonne Université, der Université Lumière Lyon 2 und der Aix-Marseille Université ebenso wie an den grandes écoles ENS in Lyon und École centrale de Marseille statt. Einblicke in die französische Forschungsförderung konnten wir beim Austausch mit dem CNRS (Centre national de la recherche scientifique) und dem Besuch des Teilchenbeschleunigers SOLEIL Synchrotron gewinnen. Was mich besonders bewegt hat, sind die große Wertschätzung und Offenheit, mit denen uns begegnet wurde. Die Tür für Kooperationen ist weit offen. Die Reise hat deshalb aus meiner Sicht nicht nur bestehende Kontakte vertieft, sondern auch Impulse für neue Zusammenarbeit auf deutscher und französischer Seite geliefert. Das freut mich sehr.

Die Delegation der deutschen Universitätsleitungen beim Besuch der Sorbonne Université in Paris im Rahmen der hochschulpolitischen Informationsreise des DAAD nach Frankreich.

Welche Bedeutung hat Frankreich als Partnerland für die DAAD-Programmarbeit?
Frankreich ist allein schon durch die regionale Nähe eines der wichtigsten Partnerländer für deutsche Hochschulen und damit auch für den DAAD. Wir zählen über 3.000 deutsch-französische Hochschulkooperationen. Besonders stark vertreten sind sie in den Grenzregionen. Hier gibt es sogar grenzübergreifende Semestertickets für den öffentlichen Nahverkehr. Aber auch außerhalb dieser Regionen ist der Studienaustausch bei jungen Menschen aus Deutschland und Frankreich gleichermaßen beliebt. Anders als in den USA oder Großbritannien haben wir hier konstant hohe Austauschzahlen in beide Richtungen. Als Partner für Forschungskooperationen nimmt Frankreich ebenfalls eine Spitzenposition ein. Das zeigt sich zum Beispiel in der sehr hohen Anzahl gemeinsam verfasster Publikationen in Forschungsjournalen. Politisch wird dieser enge akademische Austausch zusätzlich gefördert. Das hat sich bei einem weiteren Highlight der Reise gezeigt: beim Empfang des deutschen Botschafters in Frankreich, Dr. Hans-Dieter Lucas, im Hôtel Beauharnais. Dabei betonten sowohl er selbst als auch die Generaldirektorin im französischen Ministerium für Hochschulbildung, Prof. Anne-Sophie Barthez, die wichtige Bedeutung einer engen Freundschaft und Kooperation zwischen beiden Ländern. Eine vertiefte deutsch-französische Zusammenarbeit sei, gerade auch im Hinblick auf den Brexit, von zentraler Bedeutung für Europa – ein Fazit, das die deutschen Universitätsleitungen und ich persönlich teilen.

Interview: Birk Grüling (21. Oktober 2021)

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